Rhetorik – Anreden und Unterschriften ...
 

Letzte Bearbeitung: 18. Mai 2007

Anreden und Unterschriften

Anreden und Unterschriften – politische und grammatische Zwänge zu sprachlichen Schwerfälligkeiten

Von Gunhild Simon

Was war der Anlass, das großgeschriebene -Innen zu erfinden? »Liebe KollegInnen« war ursprünglich ein sprachökonomischer Zwitter, um sich Wiederholungen zu ersparen, ohne die Interessen der weiblichen Belegschaft sichtbar zu vernachlässigen.

Waren Klassifizierungen männlichen Geschlechts – Bürger, Schüler, Studenten, Freunde, Teilnehmer etc. – selbstverständlich auf beiderlei Geschlecht bezogen, ließ eine angepasste political correctness bald diese Sammelbezeichnung nicht mehr zu. Redundante, anbiedernd wirkende Doppelnennung oder Sprachverkürzung waren die unausweichliche Folge. »Liebe Mitarbeiter, liebe Mitarbeiterinnen« ist zwar korrekt aber aufwändig. »Liebe MitarbeiterInnen« ist die platz- und arbeitsparende, dagegen bemüht wirkende Variante. Und schon kommen sogar Zweifel bei der Ansprache von Kindern, Mitgliedern, Geschwistern und Mündeln auf. Ihr Genus ist nämlich neutrum.

Doch nicht nur Anreden, auch Unterschriften können kniffelig werden, wenn es sich um mehere Personen handelt.

Wenn zwei Einzelpersonen gleichen Geschlechts oder zwei Personengruppen unterschreiben, kann man die doppelte Nennung des Possessivpronomens vermeiden: »Deine Kollegen Schmidt und Schulz«, »Dein Peter und Kurt« oder »Deine Eltern und Geschwister«. Unterscheiden sich die beiden jedoch im Geschlecht voneinander, gibt es keine Alternative. Dann kommt nur Folgendes in Betracht:

»Deine Barbara und dein Wilfried« oder »Deine Geschwister«,

»Deine Mutter und Dein Vater« oder »Deine Eltern«,

»Deine Mutter, Dein Vater und Deine Schwester« oder »Deine Familie«, »Eure Mutter, Euer Vater und Eure Schwester« oder »Eure Familie«.

Denn das Possessivpronomen muss sich in seiner Endung immer mit seinem Beziehungswort decken, deshalb ist *»Deine Mutter, Vater und Schwester« oder »Eure Mutter, Vater und Schwester«* ungrammatisch.

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