Neuheiten im Buchshop deutsche Sprache

Martin Walser
Copyright: Jim Rakete
Martin Walser – Angstblüte
»Wie dem Maler die Welt zu einem Andrang von Motiven wird, so boten sich ihm, wo er hinkam, Möglichkeiten an, Geld zu vermehren.«
Karl von Kahn, Anfang 70, ist Anlageberater, Geldvermehren ist sein Beruf, seine Kunst, seine Leidenschaft. Seine Energieformel, aus Bergwanderungen in den Münchner Firmenalltag übertragen, lautet: »Bergauf beschleunigen.« Unterzugehen kann er sich nicht leisten.
Jetzt erfährt er von Gundi, der Frau seines besten Freundes, dass der Freund gelähmt im Krankenhaus liegt. Als er an dessen Bett steht, ist er erschüttert. Gundi bittet ihn, den letzten Wunsch des Freundes zu erfüllen, er unterschreibt den Vertrag, den sie ihm vorlegt. Und eine Firma ist verkauft.
Noch am Abend desselben Tages geht es dem Freund besser. Ist Karl von Kahn getäuscht worden? Jetzt verliebt er sich in die Hauptdarstellerin eines Films, den er finanzieren soll. »Sehnsucht ist die einzige Empfindung, in der man sich nicht täuschen kann«, glaubt er und wird wieder getäuscht.

Klaus Mann
Copyright: Thea Sternheim
Klaus Mann – Das zwölfhundertste Hotelzimmer – Ein Lesebuch
Er wollte Tänzer werden und wurde stattdessen Romancier. Im Exil gründete er Zeitschriften in Amsterdam und New York, berichtete aus Moskau, Paris oder Spanien; sein leidenschaftlicher Kampf galt dem Faschismus, zuletzt im Dienst der US Army. Klaus Mann (1906-1949) sah sich als Chronist seiner Zeit: frühreif, ruhelos und hellwach, neugierig, beseelt und am Ende ernüchtert.
Dieses Lesebuch bietet einen Querschnitt aus dem umfangreichen Werk eines der wichtigsten Autoren der Exilliteratur.
Sprache im Internet – Hinweise der Woche (45)
erstellt am 06.11.2006 um 07:30 Uhr
1. Das Internet produziert Kunstwörter und Kunstbegriffe
Das Kunstwort »Web 2.0« gilt als Formel zur Geldvermehrung. Der Kunstbegriff »Internet Explorer 7 (deutsch)« wird von nun an Karriere machen. »Web 2.0« bezeichnet Dienste, die auf einer starken Einbindung der Nutzer als Mitmacher basieren und technische Möglichkeiten zur Interaktion bieten. »Internet Explorer 7 (deutsch)« wird von Microsoft als »finale Version« des Browsers gefeiert. Für Windows XP (mit SP 2) oder Windows Server 2003 (mit SP1 oder als 64-Bit Edition) kann dieser Explorer von der Microsoft-Website heruntergeladen werden.
Quelle: Microsoft Deutschland
2. Das Internet ist 100-facher Millionär geworden
Anfang November 2006 gab es insgesamt 101.435.253 Websites im World Wide Web. Diese Zahl gaben die Internet-Statistiker von Netcraft bekannt. Netcrafts erste Erhebung im August 1995 erbrachte noch die Zahl von 18.957 Websites. Demgegenüber sind nur im Jahr 2006 27,4 Millionen Websites dazugekommen. Die 200 Millionen-Grenze ist schon ins Auge gefasst.
Quelle: NETCRAFT
3. Bastian Sick und der Verein deutsche Sprache
»Der Zwiebelfisch stinkt vom Kopf her« überschreibt das FAZ.NET einen Beitrag zu Bastian Sick. Er sei über die Deutschen gekommen wie ein Wahlkampf oder eine Werbekampagne. Wer sich dauernd in anderer Leute Fehler, Floskeln, falsche Fremdwörter verbeiße, setze sich dem Verdacht aus, ein Pedant und Besserwisser zu sein. Im gleichen Absatz findet der »Verein deutsche Sprache« Erwähnung. Dieser sei »ein Zusammenschluß von Reinheitsfanatikern«. Kommentar institut1: Als Vergleich mit Bastian Sick den »Verein deutsche Sprache« zu bemühen, trifft nicht den Kern, denn von dem, was an Besserwisserei und Pedanterie auf den Verein zutreffen mag, sind Sicks Publikationen weit entfernt. Das zeigt sich schon an der breiten Zustimmung, die seine Bücher finden. Seit Eike Christian Hirsch seine Bemerkungen zur deutschen Sprache selbstironisch »Deutsch für Besserwisser« nannte, mag Besserwisserei in diesem Bereich sogar salonfähig geworden sein. Es ist aber Sicks deutliches Verdienst, dass Deutsch aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und für jedermann zum Thema geworden ist. Als Beitrag zur Unterhaltung, als Anlass zur Nachdenklichkeit, als Impuls zur Selbstüberprüfung ist Sprache und Schrift nicht länger in Amts- und Studierstuben beheimatet, sondern zurückgekehrt ins Leben. Zeichnet sich nicht bereits mehr Bürgerfreundlichkeit ab, wenn Ämter sich öffnen und in ihren Anweisungen und Korrespondenzen zunehmend auf Verständigung und Verständlichkeit setzen statt auf Vorschriften? Sprachsensibilität ist ein Zeichen von Kritikfähigkeit, von Verständigkeit und Mündigkeit. Sprachkritik kann sogar Vergnügen machen, seit sie verstaubter Pedanterie entkleidet im Gewand von Leichtigkeit und Charme auftreten darf.
Quelle: FAZ.NET
4. Die Sprache der Statistik
Das Statistische Jahrbuch 2006 für die Bundesrepublik Deutschland steht zum kostenfreien Download im PDF-Format, in Teilen oder als komplette Datei, im Internet bereit. Es ist ein statistischer Bericht des Statistischen Bundesamtes zur Lage der Nation, der einen vollständigen Überblick über die Verhältnisse in Deutschland bietet. Die Entwicklung der Bevölkerung wird ebenso detailliert dargestellt wie die Lage der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes, die Löhne, die Preise oder die Staatsfinanzen. Angaben zum Bildungs- und Gesundheitswesen, zu kulturellen Einrichtungen und Freizeit sowie Trends bei den Sozialleistungen und im Umweltbereich vervollständigen das Bild. Kommentar institut1: Große Zahlen lassen sich in den Darstellungen des Statistischen Bundesamtes gut erfassen. In der politischen Diskussion werden sie oft zur Verwirrung eingesetzt. Unter einem »Bruttoinlandsprodukt von 2 Billionen 245 Milliarden 500 Millionen Euro im Jahr 2005« kann sich kaum jemand etwas vorstellen. Sehr wohl eine Vorstellung machen kann man sich hingegen, wenn gesagt wird: »Im letzten Jahr sind in der Bundesrepublik Deutschland pro Kopf der Einwohner, es sind 82 Millionen, 27238 Euro erwirtschaftet worden.«
Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland
5. Die Mehrheit der Deutschen zweifelt an der Demokratie
Erstmals ist die Mehrheit der Deutschen einer ARD-Umfrage zufolge nicht mehr zufrieden mit der Demokratie. Der Glaube an die Gerechtigkeit des Systems schwindet – und das Vertrauen in die Regierung. Zufrieden mit den demokratischen Abläufen äußerten sich nur noch 49 Prozent der Befragten. Das sind elf Prozent weniger als im September 2005. Dies ist der niedrigste je im Deutschlandtrend gemessene Wert. 51 Prozent der Befragten sind weniger bis gar nicht zufrieden mit dieser Regierungsform.
Quelle: SPIEGEL ONLINE
6. Gepampert, was ist das denn?
Im manager-magazin.de lesen wir: »Egofixiert und risikoscheu - wie sich die Wohlstandskinder der 60er vor der Verantwortung drücken und stattdessen lieber Selbstverwirklichung betreiben. Derart gepampert, kann es sich mancher um die 40 leisten, sich jobmäßig nicht zu überanstrengen.« Die erforderliche Assoziation will sich nicht gleich bei allen einstellen: Es gibt eine Windelmarke mit dem Namen »Pampers«, »gepampert« bedeutet also, dass jemand mit Windeln versehen, somit auch behütet und geschützt ist. Ein wenig Unselbständigkeit schwingt mit.
Quelle: manager-magazin.de
