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KARSTEN BREDEMEIER
Schwarze Rhetorik
KARSTEN BREDEMEIER – Schwarze Rhetorik
Kurzbeschreibung – Der Rhetoriker beherrscht die Kunst, Sprache optimal einzusetzen – notfalls auch als Florett, indem er duch Sprachwitz und Doppelbödigkeit seinem Gesprächspartner zu Leibe rückt. Verbale Attacken werden mit kunstvoller Schlagfertigkeit geschickt abgewehrt. Der bekannte Kommunikationstrainer Karsten Bredemeier zeigt, wie jeder diese Kunst erlernen kann, denn durch geschickte Fragen, passende Redewendungen und mit trainierter Schlagfertigkeit lassen sich die eigenen Ziele in Gesprächen und Verhandlungen geschickt durchsetzen. Mit zahlreichen Übungen und Beispiel-Dialogen.
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Bushido
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Die Sprache des Rap
Die Sprache des Rap schockiert: Spricht hier der Mut der Verzweiflung oder handelt es sich um Verwahrlosung der Sprache? Jugendmusik ist Protestmusik. Sie klingt umso radikaler, je geringer die Chancen ihrer Protagonisten sind, einen Platz in der Gesellschaft zu gewinnen.
Rap ist der Ausdruck der Jugend, die sich am Rand der Gesellschaft erlebt. Rap ist Provokation, Rap ist Protest, Rap ist Selbstdarstellung, Rap ist Abgrenzung von Wohlerzogenheit und Angepasstheit. Die Thesen lassen sich am Wortlaut der Liedtexte erhärten.
Ist der Rap amerikanischer Vorbilder ein Produkt schwarzer Ghettos, so definiert sich der hiesige vorwiegend über den Migrationshintergrund seiner Idole, zum Beispiel Bushido oder Baaba Saad.
Die Musik ist so schroff wie der dazugehörige halsbrecherische Tanz. Der ist in seinen Gesten und artistischen Untermalungen unverwechselbar, fast unnachahmlich. So derb der Text, frei von Reimen, so herb, unmelodisch ist die Musik selbst, eine Art Rezitativ.
Menschenverachtung oder Sehnsucht?
Die Texte sind knapp, eher verkürzt, gerade noch für Insider, die die Sprache dieser Szene beherrschen, verständlich. Die Worte sind häufig obszön, vulgär, am Rand des Erträglichen. Da ist die Rede von Sex und Gewalt, von Inzest und Folter, von Blut und Tod. Verbale Pornographie, Fäkalsprache, die Machtstrukturen beschreibt, Menschenverachtung, Entwürdigung und Entwertung, oft sind das die Überschriften, unter denen die Songtexte stehen.
Doch dies ist nur die eine Seite. Denn die Worte dieser Musik haben auch eine andere Dimension. Ihre Botschaft ist Sehnsucht und Schmerz: Sehnsucht nach Geborgenheit, Anerkennung und Liebe. Schmerz über die Verkehrtheit, die Aussichtslosigkeit, die Ungerechtigkeit, die Kälte. Worte, die sich verzehren nach Glück, Wärme und Gemeinsamkeit, verzweifelt bittere und sentimentale Worte, die Klage führen über das Elend, vor dem jedermann die Augen verschließt.
Die Verantwortung der Elterngeneration
Jede heranwachsende Generation strebt nach Abgrenzung von der Elterngeneration. Das ist ein notwendiger Prozess der Abnabelung, ein Akt der Demonstration von Unabhängigkeit. Sie wird sichtbar und erfahrbar in andersartiger Mode, Musik und Sprache. Eltern, Erzieher und Lehrer, die dies wohlmeinend oder aus falsch verstandener Solidarität kopieren, stoßen auf Unverständnis oder Ablehnung. Denn ihre Rolle schließt Zugehörigkeit aus.
Dieses Streben nach Identität und Autonomie, nach Eigenem, Unverwechselbarem wird gestört, wenn die Chancen auf Erfüllung sinken. Wenn ein Mensch kein verlässliches Fundament hat, auf das er bauen kann, wenn er daraus nicht ein Werteschema entwickeln kann, das heranzubilden und auszufüllen sich lohnt, wenn er keine Ziele daraus ableiten kann, die sein Selbstwertgefühl tragen, dann droht Verwahrlosung. Sie ist eng verknüpft mit der Abstumpfung durch die Perspektivlosigkeit der Elterngeneration.
Vorbilder und Werte
Wenn Vorbilder fehlen, weil Resignation die Selbstachtung dieser Leitfiguren zerstört und Desinteresse an die Stelle von Engagement für den Nachwuchs tritt, dann verliert das Kind sein Urvertrauen. Wenn schließlich der heranwachsende Mensch – angewiesen auf diese Einbindung in Werte, die sich in Erwartungen, Interesse an seiner Person, Freude über sein Dasein, Glaube an seine Kraft ausdrücken – diese Bindungen verliert und entbehrt, dann kann sich seine Kraft ins Negative verkehren – in Ablehnung, Resignation, schlimmstenfalls Hass. Wenn das familiäre Netz nicht mehr trägt, sucht der junge Mensch nach einer Ersatzfamilie, die ihm Rückhalt und Deckung gibt. Das kann die Gang sein, eine Gruppe, die von autoritären Strukturen umso stärker geprägt ist, je geringer das Selbstwertgefühl und die Unabhängigkeit des Einzelnen sind.
Die Liberalität einer Gesellschaft wird konterkariert durch ihr schwächstes Glied, den Teil der Jugend, der ohne Perspektive und daher ohne Ideale ist: Ohne Sprache keine Bildung – ohne Bildung keine Lebensperspektive. Ohne Perspektive kein Antrieb zum Erhalt und Ausbau demokratischer Werte. Benachteiligung und Ausgrenzung führen ins politische Abseits.
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