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Erziehung und Bildung statt Betreuung

Viele Gründe sprechen dafür, dass Kleinkinder bei der Mutter am besten aufgehoben sind. Denn je kleiner das Kind, desto enger die Bindung an das »Du« der festen Bezugsperson.

Erst mit zunehmendem Alter entwickelt das Kind das Interesse, die Konfliktfähigkeit und die Frustrationstoleranz, um den Bezug zum »Wir« der Gruppe aufzubauen.

Deshalb gewinnt die Beziehung zur Gruppe der Peers, der Gleichrangigen, erst jenseits der 3 Jahre an Bedeutung. Im Umkehrschluss folgt daraus, dass gerade die ganz Kleinen die anteilnehmende Aufmerksamkeit ihrer Bezugsperson brauchen. Daraus folgt auch, dass nicht bloße Anwesenheit entscheidend ist, sondern ungeteilte Zuwendung. Also ist auch elterliche Nähe weniger eine Zeitfrage als eine Frage von Intensität und Konzentration.
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285.000 Kinder unter 3 Jahren in Tagesbetreuung
Statistisches Bundesamt:

»Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes haben im Jahr 2006 die Eltern von rund 285.000 Kindern unter drei Jahren Angebote der Kindertagesbetreuung als Ergänzung zur eigenen Kindererziehung und Betreuung in Anspruch genommen.

Der Anteil der Kinder in Tagesbetreuung an allen Kindern dieser Altersgruppe (Besuchsquote) belief sich in Deutschland damit auf rund 13,5%.

Deutliche Unterschiede zeigen sich im Vergleich der neuen Bundesländer und des früheren Bundesgebietes (jeweils ohne Berlin) bei der Inanspruchnahme von Kindertagesbetreuung.

Während in Ostdeutschland bei rund 40% der unter 3-Jährigen Tagesbetreuung ergänzend in Anspruch genommen wurde, betrug die Besuchsquote für diese Altersgruppe in Westdeutschland rund 8%.«

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Kinderbetreuung und soziale Wirklichkeit

Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes haben im Jahr 2006 die Eltern von rund 285.000 Kindern unter drei Jahren Angebote der Kindertagesbetreuung als Ergänzung zur eigenen Kindererziehung und Betreuung in Anspruch genommen.

In Zeiten der Berufstätigkeit von Frauen, in Zeiten nicht mehr lebensendlicher elterlicher Verbindungen, und in ihrer Folge der Vereinzelung der Mütter, in Zeiten räumlicher Trennung von Familie und Beruf, der Auflösung des Familienverbandes, der ein Eckpfeiler familiärer Unterstützung bei der Kinderbetreuung war, müssen Kinderkrippen diese Lücken ausfüllen. Sie müssen Bindung und erzieherische Substanz statt temporärer Aufbewahrung bieten. Diesen veränderten Bedingungen müssen Kinderkrippen gerecht werden. Diesen Anforderungen müssen sie sich stellen.

Die Qualität frühkindlicher Erziehung

Ging man früher davon aus, je jünger das Kind, desto vernachlässigbarer der intellektuelle, qualitative und quantitative Grad seiner Betreuung, so setzt sich nun eine andere Erkenntnis durch. Bereits vor der Grundschulpflicht liegen die Integrationsmöglichkeiten brach, die neu zu beleben später wenig erfolgversprechend sind. Soziale und intellektuelle Kräfte drohen durch Vernachlässigung verschüttet zu werden. Es ist die Aufgabe frühkindlicher Erziehung, diese Quellen frühzeitig zu erschließen.

Dafür ist der Erzieherschlüssel für die Betreuung der Jüngsten neu zu definieren. Je kleiner das Kind, desto enger der Bezugsrahmen, der den kindlichen Bedürfnissen gerecht werden kann. Man hält jetzt ein Verhältnis von einer Bezugsperson zu zwei Kleinkindern unter drei Jahren für zuträglich, während erst bei den Dreijährigen die Gruppe auf fünf Kinder ansteigen sollte. Auch die Lernumgebung der ganz Kleinen muss neu gestaltet werden, um ihren Erfahrungshorizont zu erweitern und ihr Entdeckungs- und Bewegungsbedürfnis zu stillen. Dazu bedarf es einer Raumarchitektur, die ganz auf diese Altersgruppe zugeschnitten ist: Experiment und Materialgestaltung, Körpergefühl und Balance, Kontakt und Konflikt, Rückzug und Ruhe – all dies soll sich in dem geschützten Raum der Krippe abspielen können.

Babyinitiativen haben diese Ideen schon früher realisiert. Eltern, die ihre Berufstätigkeit und ihre erzieherischen Vorstellungen vereinbaren wollten, verfolgten dieses Konzept schon seit langem. Es fußte jedoch auf der Tatkraft einzelner, die das Ausstattungs- und Finanzierungskonzept mitzutragen bereit waren.
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Kindertagesstätte und Kindertagespflege
Statistisches Bundesamt:

»Am Stichtag 15. März 2006 besuchten bundesweit rund 251.350 Kinder unter drei Jahren eine Kindertagesstätte, rund 33.500 Kinder waren in Kindertagespflege bei Tagesmüttern oder Tagesvätern. Hierbei werden nur die mit öffentlichen Mitteln durch die Jugendämter geförderten Tagespflegeverhältnisse gezählt.

Darüber hinaus bestehende Tagespflegeverhältnisse auf rein privater Basis, bei denen kein Jugendamt in die Vermittlung oder Förderung eingeschaltet war, werden in dieser Statistik nicht erfasst.«

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Umgebung – Intelligenz – Sozialkompetenz

Eine anregungsarme Umgebung lässt Intelligenz und Sozialkompetenz verkümmern.

Genau betrachtet kann eine speziell auf die Bedürfnisse von Kleinkindern zugeschnittene Umgebung mehr Angebote an die kindliche Entwicklung enthalten als die heimische Wohnung. Eine Wohnung muss den unterschiedlichen Interessen einer Vielzahl von Menschen gerecht werden, denen die Bedürfnisse des Babys meist untergeordnet werden. Das Stress- und Unzufriedenheitspotential der Elterngeneration in einer stärker dem beruflichen Wettbewerb ausgesetzten Gesellschaft ist größer geworden, gleichzeitig ist der Familienverband mit mehreren sich gegenseitig entlastenden Bezugspersonen schon seit langer Zeit im Schwinden.

Fernsehgerät statt Spielgerät

Daraus ergibt sich die Versuchung, das Jüngste dem Fernsehgerät zu überantworten und mit oraler Ersatzbefriedigung ruhigzustellen. Hier beginnt allzu früh der Teufelskreis aus Bewegungs-, Kontakt- und Spracharmut, aus Konsum von Fertignahrung, Bildschirmberieselung und Plastikspielzeug. Es ist nicht formbares Spielzeug, bunt anzuschauen, jedoch ohne wirkliche Aktivität, die sich aus ungeformten Materialerfahrungen ergäbe, auch nur im Ansatz zu erzeugen.

Doch Spielen braucht Material, das sich gestalten lässt, das anregt, Eigenes herzustellen. Es braucht Angebote und Anregungen, braucht Zuwendung, Widerhall und Wertschätzung eines Gegenübers. Andernfalls erzeugen anregungsarme Strukturen selbstbezogene, unzufriedene und träge Kinder – Menschen, deren frühkindliche Neugier sich erschöpft hat, bevor sie sich entfalten konnte.
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Foto: S. Hofschlaeger (c) PixelQuelle.de


Das Angebot an Tagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren
Statistisches Bundesamt:

»Inwieweit das Angebot an Tagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren in den vergangenen Jahren ausgebaut worden ist, lässt sich anhand der amtlichen Statistik nur indirekt beurteilen. Während im Jahr 2002 die genehmigten Plätze für Kinder unter drei Jahren in Kindertagesstätten erfasst wurden, war es 2006 die Zahl der Kinder unter drei Jahren, die eine Tagesbetreuung besuchten.

Für Tagesstätten lag die Besuchsquote für Kinder unter drei Jahren im Jahr 2006 in Westdeutschland (ohne Berlin) bei 6,6%, während der Anteil der verfügbaren Plätze für diese Altersgruppe (Platz-Kind-Relation) 2002 bei 2,9% gelegen hatte. In Ostdeutschland (ohne Berlin) lag der Anteil der in Tagesstätten betreuten Kinder unter 3 Jahren im Jahr 2006 ebenso bei 37% wie die Platz-Kind-Relation Ende 2002.«

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Spielen und Lernen, Sprache und Sprechen

Die Grundsteine der Kommunikationsfähigkeit werden bereits beim Kleinkind gelegt. Die Fundamente von Spielen und Lernen, die auch die Fundamente von Sprache und Sprechen sind, entstehen hier.

Gerade das Windelnwechseln und das Füttern sind die natürlichen Situationen des Dialogs. Stand früher in der Krippenbetreuung die Aufbewahrung des sauberen, sattes Kindes im Vordergrund, so beginnt sich jetzt die Vorstellung durchzusetzen, dass der Grundstock für Sprachkompetenz, ja sogar für mathematisches und naturwissenschaftliches Verständnis, bereits in der Phase der Entwicklung des Kleinkindes gelegt wird.

Deshalb ist das Augenmerk weniger auf Obhut denn auf Anregung zu richten. Um diese Anregung zu gewährleisten bedarf es neuer Qualifikationen und Qualitäten. So sind Krippenplätze nicht dadurch zu schaffen, dass Gruppen vergrößert werden, sondern dass mehr und besser geschultes Personal eingestellt wird.

Diese Qualifikation kann nur erworben werden durch eine Ausbildung, die Kleinkindpsychologie und -pädagogik umfasst. Dazu ist ferner die altersgerechte Ausstattung der Umgebung zum Spielen, Essen und Schlafen unverzichtbar. Denn gerade im Babyalter sind die Fähigkeiten der Sinne, Eindrücke und Wahrnehmungen aufzunehmen und zu speichern – also Sehen, Fühlen, Hören, Riechen, Schmecken – besonders ausgeprägt. Körperkontakt, motorische Freiheit, emotionale Wärme und Sicherheit sind die entscheidenden Bedingungen, die dem Kleinkind bei der Erkundung der Welt Rückendeckung geben.

Kommunikationsverlangen und Sprachentwicklung

Unter diesem Schutz, mit diesen Anregungen, gedeihen Kommunikationsverlangen und Sprachentwicklung. So gesehen ist der Auftrag, die frühkindliche Erziehung zu reformieren, ein Beitrag zur Integration und Bildung. Es ist eine Investition, die eine Gesellschaft leisten muss, die lebenslanges Lernen gerade entdeckt: eine Chance, wenn auch unter bitteren Vorzeichen entstanden – nämlich aus der Erkenntnis leerer Rentenkassen, eines nicht einlösbaren Generationenvertrags und der Erfahrung eines härteren Wettbewerbs um Arbeits- und Ausbildungsstellen.
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